Wurzeln der Liebe: Ein Jahr ohne dich, Mama. Meine persönliche Reflektion!

Liebe Mama,

ein Jahr ist vergangen, 365 Tage ohne dich, 8760 Stunden und doch fühlt es sich an, als wäre es erst gestern gewesen, als du dich für einen anderen Weg entschieden hast. Doch tief in meinem Herzen weiß ich, dass du schon lange Zeit vor diesem Tag deinen Weg gewählt hattest, als ich noch ein kleines Mädchen war. Diese Erkenntnis durchdringt jede Faser meines Seins und ich spüre es in all meinen Erinnerungen.

Die Angst vor dem Verlust begleitete mich oft, während ich dem Tod ins Gesicht sah und fürchtete, dich und Papa für immer an den Alkohol & an die Drogen zu verlieren. Diese Angst war wie ein unsichtbarer Schleier, der mich umhüllte und mich niemals frei sein ließ. Doch nun, da du und Papa nicht mehr bei mir seid, fühle ich eine neue Art von Freiheit. Eine Freiheit, die mir den Raum gibt, meine Trauer zu umarmen und meine Erinnerungen zu schätzen.

Der Verlust von Papa vor 14 Jahren hat mich zutiefst erschüttert. Obwohl ich es doch schon als kleines Mädchen kommen sah und wusste. Es war doch abzusehen Mama, auch wenn ich noch klein war, kannte ich doch das bittere Ende! Als Papa starb, war es, als ob ein Teil von mir mit ihm gegangen wäre. Doch auch dein Abschied, Mama, hat tiefe Spuren in meinem Herzen hinterlassen. Es fühlte sich an, als würde alles wie eine Lawine hochkommen und der Sog war so stark, als wären dieses Mal sogar meine Wurzeln weggerissen worden. Ich fühlte mich in dieser Kälte verschüttet und hatte kaum Kraft hochzukommen. Und dann gab es da zwei kleine Engel, die mir den Weg zeigten.

In den vergangenen Monaten habe ich mich erneut auf den Weg gemacht, hinzuzuschauen, hinzuspüren. Dabei habe ich dank des kostbaren Schatzes der Erinnerung in meinem Herzen einen Weg gefunden, der mich mit Liebe und Wärme füllte. Dank meiner eigenen kleinen Familie konnte ich wieder meine Wurzeln spüren. Und ich bin so dankbar für diese Erfahrung, denn als Mutter spürte ich doch Tag für Tag die Verantwortung, die mir mit diesem kostbaren Geschenk übertragen wurde. Es ist ein Gefühl der Ehrfurcht, der Liebe und des tiefen Verlangens, meine Kinder zu beschützen, so wie ich es mir immer von dir gewünscht hätte.

Ja Mama, weißt du, was mich tröstet?

Der Gedanke, dass du hier auf Erden nicht die Kraft hattest, auf mich und Mopel aufzupassen, schmerzt. Aber gleichzeitig weiß ich, dass du nun frei von Kummer und Sorgen bist und an der Seite deiner Mutter auf mich und meine Familie aufpasst.

Manchmal dauert es ein wenig, bis Träume wahr werden…

 

Mit all meiner Liebe, Nicole